Internationaler Freimaurerorden für alle Menschen Österreich

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Galerie der Erinnerung

Frieda Bauer

Frieda Bauer

Frieda Bauer wurde am 22. Februar 1886 als Friederike Guttmann im mährischen Zwittau/Svitavy geboren und verstarb am 28. Mai 1970 in der größten Stadt des amerikanischen Nord-Westen - in Seattle. Ihr Vater Josef war Zahntechniker, sie hatte zumindest zwei Brüder und vier Schwestern. Das jüdische Mädchen profitierte von einem der Bildung zugewandten Milieu. Nach der Matura in Mährisch-Schönberg/Šumperk im Jahr 1905 zog es die junge Friederike Guttmann mutig zum Studium in die Großstadt. Als eine von jenen weiblichen Pionierinnen inskribierte sie an der Universität Wien an der medizinischen Fakultät, wo sie bereits 1911 mit 25 Jahren ihren Doktorgrad erhielt. Nur schrittweise öffneten die Universitäten um die Jahrhundertwende Frauen den Zugang. Seit 1900 durften sie erstmals als Medizinstudentinnen die Hörsäle bevölkern. 1913, zwei Jahre nach ihrer Promotion, war Friederike Guttmann mit dem Studienkollegen und späteren Pathologen Dr. Theodor Bauer (*12.2.1885, +11.5.1946) verheiratet und arbeitete im 18. Bezirk in der Karl Ludwigstraße 1d als niedergelassene Ärztin.

Frieda Bauers Ehemann, ebenfalls aus einer jüdischen Mediziner-Familie stammend, wurde zunächst habilitierter Privatdozent am Institut für Pathologische Anatomie und später dessen Vorstand. Sein Berufsleben widmete er ganz der Forschung. Parallel zur universitären Arbeit und seiner Funktion als Prosektor im Rothschild Spital betrieb er in der Währingerstraße ein privates Labor. Im Keller hielt er seine Versuchstiere, im ersten Stock regelmäßig medizinische Lehrkurse. Er war mit zahlreichen Vorträgen und Publikationen in der Öffentlichkeit präsent und galt als wichtige Persönlichkeit der Wiener Gesellschaft. Im Sinne der Volksaufklärung fungierte er 1922 sogar bei einem Vita-Film über Tuberkulose als wissenschaftlicher Leiter. Er war auch künstlerisch begabt Im Rahmen einer Galerienausstellung wurden 1933 zusammen mit anderen seine dalmatinischen Landschaften in einer Galerieausstellung gezeigt. Die Musikbegeisterung in der Familie zeigte sich unter anderem durch den Besitz von drei Celli, drei Geigen und einer Bratsche.

Tochter Eva erblickte 1919 das Licht der Welt, Sohn Robert 1920 . Frieda Bauer engagierte sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit als praktizierende Ärztin im Bereich der Frauenheilkunst. Anfang der 1930er Jahre hielt sie im Rahmen des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse und der Österreichischen Frauenpartei Vorträge über „Das Eheproblem und der § 144“ und über „Lebensreform“ . Die Österreichische Frauenpartei wurde 1929 unter der Ägide von Marianne Hainisch gegründet. Im Juli 1933 erklärte die dem bürgerlichen Flügel zuzuzählende Frauenpartei den geschlossenen Beitritt zur Vaterländischen Front. 1934 wurde sie aufgelöst und im Dezember zum Verein Österreichische Frauenschaft umgebildet. Damit wurde sie Teil des autokratischen Ständestaates. Seit diesem Zeitpunkt existierte in Österreich keine eigene Frauenpartei mehr.

1933 wurde Frieda Bauer Mitglied der gemischten Freimaurerloge Vertrauen des Le Droit Humain Österreich. Nur ein Jahr später verließ ihr Mann seine rein männliche Wiener Loge, der er seit 1924 angehörte. Das Jahr des Bürgerkriegs von 1934 hatte viele Mitglieder der männlichen Kette dazu bewogen, aus dem Verein auszutreten, da sie polizeiliche Schikanen oder berufliche Nachteile fürchteten. Seine Frau hingegen wurde noch 1938, also kurz vor der Auflösung der Loge, deren Obfrau. Als solche schien sie im Vereinsverzeichnis auf und war dadurch aktenkundig. Nicht zufällig begannen sich die Ereignisse zu überstürzen. Das Paar zog unverzüglich nach dem sogaenannten Anschluss die Aufmersamkeit des nationalsozialistischen Regimes auf sich . Bereits am 14. März, nur zwei Tage nach dem Einmarsch Hitlers in Österreich, wurde Theodor Bauer verhaftet. Die Vorwürfe während der zahlreichen Verhöre kreisten vorerst um seine freimaurerische Mitgliedschaft, dann erweiterten sie sich in Richtung Sozialdemokratie, um bei jenen des Kommunismus zu enden. Sie wurden mit brutalen Schlägen und körperlichen Misshandlungen begleitet, bei denen der 53-Jährige zwei Zähne verlor. Am gleichen Tag der Verhaftung Theodor Bauers, fand auch eine Hausdurchsuchung in der gemeinsamen Wohnung im9. Wiener Bezirk, in der Wasagasse 12 statt. Frieda Bauer wurde dabei zusammen mit ihrer Tochter verhört. Man beschimpfte sie als Hure und zwang sie zur Übergabe ihres Schmuckes. Beide Frauen entgingen anscheinend einer Verhaftung. Nach zermürbenden Wochen kam auch Theodor Bauer frei. Sein Vertrag mit dem Krankenhaus der Kaufmannschaft wurde im Juni fristlos gelöst, die regelmäßigen monatlichen Bezüge in der Höhe von 300 RM gekündigt. Nach dem Berufsverbot musste er zudem die aus rassischen Gründen erfolgte Aberkennung seiner Doktorwürde erleben. Die Anmeldung seines Vermögens erzwang man im Juli 1938. Unter die Angaben fielen sein Labor und das Grundstück in der Salmannsdorferstraße 92 im Wert von 25.000 RM. Dem gegenüber standen Schulden von 26.000 RM. Jene Bezüge für seine Tätigkeit als Prosektor im Rothschildspital in der Höhe von monatlichen 400 RM erhielt er noch. Diverse ausstehende Honorare in der Höhe von über 2.000 RM konnte er durch den politischen Umsturz nicht mehr einfordern. Die berufliche Karriere und die finanzielle Existenz der Familie waren somit zerstört, ihr Leben in Gefahr. Dieses konnte sie nur durch die Emigration retten. 1938 gelang ihr über die Niederlande die Flucht nach Amerika. Beide Kinder sowie zwei Brüder und vier Schwestern von Frieda Bauer konnten ebenfalls in den Vereinigten Staaten, mehrheitlich im Raum Seattle, Zuflucht finden.

Das Ehepaar war fast mittellos in Amerika angekommen, wo sie sich nun eine neue Existenz aufbauen mussten. Beide fanden eine medizinische Anstellung im Northern State Hospital von Sedro-Woolley, im Bundesstaat Washington. Frieda Bauer praktizierte hier bis zu ihrem 68. Lebensjahr , anschließend engagierte sich die aus der Israelitischen Kultusgemeinde Ausgetretene im Rahmen der Christ Episcopal Church, bei der sie Mitglied wurde, in der Altenpflege. Episkopalkirchen nehmen in Liturgie und Lehre eine Mittelstellung zwischen der katholischen und protestantischen Lehre ein. Sie verstarb 1970 mit 84 Jahren. Ihr Mann war bereits 1970 mit 84 Jahren. Ihr Mann hatte sie bereits am 11. Mai 1946 mit nur 61 Jahren verstorben. Beide fanden ihre letzte Ruhestätte in Seattle im Lake Forest Park, King County, im Bundesstaat Washington.



Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich

Link: Frieda Bauer auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI

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